Ruhe – Veränderungen – die ersten Tage in Mexiko – Teil 3

Hamburg - Flughafen - Abschied nach Mexiko

Unsere Reise nach Mexiko begann also am Montag Morgen von Hamburg über Lissabon nach Cancun mit der portugiesischen Airline TAP, hierzu hatten wir uns auch viele Gedanken gemacht… wie kommen wir am Besten, Einfachsten und komfortabel nach Mexiko? Bei insgesamt etwa 18 Stunden Reisezeit wollten wir uns auf diesem einmaligen Weg auch nicht die Füße in den Bauch drücken und den Rücken krumm sitzen, daher hatten wir uns für die Business Klasse entschieden. Meine Frau hatte den Wunsch so wenig wie möglich umzusteigen und so kurz wie möglich Zwischenstation irgendwo zu machen… Mit Delta Airlines wären wir von Hamburg in die USA gekommen, dann über Mexiko City weiter nach Cancun, Lufthansa – Hamburg, Frankfurt nach Cancun oder mit KLM via Hamburg – Amsterdam und dann Cancun… letztendlich fiel die Entscheidung eben auf TAP aufgrund des besten Preis-Leistungsverhältnisses, auf den Hund mussten wir ja nun keine Rücksicht mehr nehmen, der wurde ja vorher abgeholt und machte seine eigene Reise. Also Montag Morgen am Hamburger Airport angekommen, war der Check-In für TAP noch nicht geöffnet und wir stellten uns mit 8 großen Reisekoffern, 6 Handgepäckstücken und der großen Wakeboard-Tasche in die (zum Glück noch kurze) Warteschlange…

Alles war gut, wir waren vorbereitet, der Check-In auch problemlos dank guter Vorbereitung mit allen notwendigen Dokumenten schnell erledigt, dann hieß es nur noch warten bis wir endlich in den Flieger konnten. Das Wetter spielte auch mit, es war ein kalter aber sonniger Dezember-Morgen, klare Sicht und kein starker Wind, machten die ersten 3,5 Stunden Flug nach Lissabon sehr entspannt, Essen, Getränke und Service waren einwandfrei, wir nicht ganz entspannt, da der Flug leider 45 Minuten Verspätung hatte und unsere ursprünglicher Aufenthalt in Lissabon nur etwa 90 Minuten betragen sollte. Wir versuchten das Beste aus der Situation zu machen und uns zu entspannen, was blieb uns auch anderes übrig 😉

Letztendlich kamen wir “rechtzeitig” in Lissabon an und konnten “umsteigen”… auf der einen Seite den Terminal betreten, 1000m durch den Terminal vorbei an den Fliegern nach Kanada und USA (fielen extrem auf durch die Covid-Maßnahmen und Prüfungen vor dem Boarding) und pünktlich vor dem eigenen Boarding am Gate… Beim Einsteigen wussten wir dann auch wieder warum wir uns für die Business-Klasse entschieden haben, entspannt einsteigen, kein Schlange-stehen und (zumindest im A330neo von TAP) einen eigenen alleinigen Sitzplatz (mit Liegefunktion), also stand einem angenehmen Flug mit rund 12 Stunden Flugzeit nichts mehr im Wege 😉

Quelle: https://www.travelpulse.com/news/airlines/mexican-military-to-handle-security-at-cancun-cozumel-airports.html – Copyright/Owner : Eric Bowman

Ankunft in Cancun – Mexiko

Unser Flieger kam um 22:30 Ortszeit an, 30 Minuten vor der geplanten Zeit, also konnte ein wenig Zeit eingeholt werden, der Flug bis hierhin war etwas holprig, aber der Blick über Bahamas und die dazugehörigen Inseln war trotz Dunkelheit faszinierend. Im Landeanflug noch eine Schleife über Cancun gezogen und dann setzen wir in Mexiko auf… gefühlt noch eine Ewigkeit über das Vorfeld gerollt bis wir endlich an der Position standen. Dann hieß es warten auf das Aussteigen und die ersten Schritte auf mexikanischem Boden tun und “einwandern”. Hier hatten wir eigentlich die größte “Angst” vor… haben wir alle Papiere, machen wir alles richtig, bekommen wir den ersehnten Stempel in den Reisepass als “Residente Temporale”… auch hier wieder der Vorteil der Business Class, wir konnten als erste das Flugzeug verlassen und waren entsprechend vor der “Meute” an der Immigration und waren recht zügig dran… und dann macht der Immigration Officer doch tatsächlich einen Fehler und stempelt das erste Formular als “Tourist” anstatt “Visa”… zum Glück nur das Formular und nicht den Reisepass und es war vorher aufgefallen, ich musste nur noch einmal das Formular händisch ausfüllen, dann hatten wir alle richtigen und wichtigen Stempel und freuten uns riesig, dass die gute Vorbereitung auf die Einwanderung Früchte trugen. Wir waren offiziell in Mexiko !!!

Auf unsere Koffer mussten wir nicht lange warten, aber leider auf die große Wakeboard-Tasche von unserem Sohn, die brauchte etwa eine Stunde bis sie endlich in der Ausgabe für Oversize-Gepäck auftauchte, dann noch durch den Zoll… wir hatten schließlich ziemlich viel mitgenommen, Dinge, die wir in Deutschland regelmäßig genutzt haben aber nur in bestimmten Mengen (als Tourist) eingeführt werden dürfen. Aber anscheinend hatten wir Glück, dadurch dass unser Flug so “spät” ankam, war kaum jemand am Zoll und wir wurden nur kurz nach Alkohol oder Zigaretten gefragt, dann waren wir durch. So viel Nervosität und Aufregung, und dann war gar nichts los 😉

Allerdings hatten wir durch den Verzug mit der Wakeboard-Tasche leider auch den Schalterschluss für unseren Leihwagen verpasst, so standen wir plötzlich ohne Leihwagen am Flughafen, aber zum Glück war der Schalter von Europcar noch offen und wir konnten einen anderen Leihwagen zu ähnlichen Konditionen mieten, was uns aber reichlich Zeit gekostet hat. Der Mitarbeiter vom Schalter war so nett und brachte uns zum Shuttle, welches uns zur “Ausgabe” bringen sollte, dies war dann auch unsere erste Erfahrung mit dem neuen Klima in Mexiko 😉 Wir kamen also aus dem kalten Deutschland, waren den ganzen Tag in einer klimatisierten Zone (~23 Grad) und treten nachts in die feuchte, heiße Luft (~28 Grad + 95% Luftfeuchtigkeit) in Cancun (es sollte auch noch einen Regenguss geben bevor wir in der Unterkunft ankamen). Um etwa 2:00 Uhr hatten wir dann endlich unser Auto, konnten es beladen und die ersten Erfahrungen auf mexikanischen Straßen machen, bis zur ersten Unterkunft – ein Bed&Breakfast, welches wir nur für die erste Nacht gebucht hatten – waren es nur 5 Kilometer.

Erstaunlichste Erkenntnis für mich, der sonst nur Klimaanlagen aus dem Auto kennt, im deutschen Sommer wird die maximal auf 25 Grad eingestellt, damit der Unterschied nach draussen nicht so hoch ist… aber hier ?!? Wir hatten ja nur ein 3-Bett-Schlafzimmer für diese erste Nacht… der Raum war beim Betreten “Ars…kalt” und die Klimaanlage lief auf 27 Grad… WTF

unsere ersten Tage in Puerto Morelos

Am nächsten Morgen ging es dann in Richtung neuer Heimat, auf ins nächste Abenteuer => Autobahn aka Highway fahren… wir, die bisher – fast 30 Jahre lang – nur europäische Autobahnen und Straßenverkehr gewöhnt waren, mussten plötzlich neu anfangen. Natürlich hatten wir uns im Vorwege über die Verkehrsregeln informiert, aber es ist halt doch etwas anderes, wenn man es selber erfährt 😉 So wie wir Deutschen es kennen mit Rechts-Fahrgebot, blinken und Rücksicht nehmen, so was kennen die Mexikaner – zumindest nicht auf der Straße, da wird rechts überholt, plötzlich ohne ersichtlichem Grund bei Tempo 90 der Warnblinker angeschmissen oder bei erlaubten 100 km/h (man selber fährt schon 110) von einem Reisebus überholt. Auch jetzt nach vielen Wochen ist es immer noch erstaunlich, was manche hier Auto fahren und dass das immer (meistens) gut geht!

Nach dem ersten Schock sind wir natürlich auch erst einmal an unserer neuen Heimat vorbeigefahren – es gibt hier nicht wie in Europa – gekennzeichnete Abfahrten bzw Ausfahrten, die lange vorher angekündigt werden, die sind einfach da 😮
Wenn keine Aus- oder Auffahrten vorhanden sind… wie dreht man dann bitte?!? Dazu gibt es alle paar Kilometer einen sogenannten “Retorno” (klar spanisch sinngemäß “umdrehen”), also linke Spur rechtzeitig blinken und die 200m Abfahrt auf den Mittelstreifen nehmen und auf die entgegenkommende Fahrspur wechseln, wenn man Glück hat gibt es einen “Beschleunigungsstreifen”, wenn nicht… “Augen zu und rüber auf die andere Seite und das Gaspedal bis zum Bodenblech durchdrücken”

Und Highway bedeutet hier nicht, dass es sich auch durchgehend um einen Highway handelt, also ohne Einschränkungen geradeaus fahren… auf dem Weg bspw nach Playa del Carmen bzw Tulum gibt es eine dauerhafte Polizeikontrolle, wo alle Fahrspuren auf 20km/h runtergebremst werden und nach dem Zufallsprinzip auffällige Fahrzeuge von den anwesenden Polizisten mit Maschinenpistole rausgezogen werden. Kurz vor Playa del Carmen geht der Highway mehr in eine Fernstraße (Bundes- oder Landstraße) über, hier gibt es dann auch Kreuzungen und Ampeln, Fußgänger kreuzen den Highway und nicht zu vergessen, die landestypischen “Topes” – entweder in der Form von Bodenschwellen (aus Beton, Asphalt, Metall oder manchmal auch einfach nur ein starkes Tau) oder “Pickeln” auf der Straße (Länge, Breite und Höhe können stark variieren) – Beispiele habe ich hier mal für euch ergoogelt

Nachdem wir unsere erste Unterkunft in der Gated Community “Selva Escondida” bezogen hatten, machten wir uns natürlich ans Erkunden… Wie kann man sich hier bewegen, wo kann man einkaufen, was bekommt man wo usw. usw. Wir hatten in den ersten zwei, drei Tagen Aufgaben, wie

  • Wir brauchen einen Mietwagen (für länger), hier hatte ich schon im Vorwege was vorbereitet.
  • Wir brauchen was zu Essen und Trinken und damit verbunden,
  • brauchten wir Bargeld (worüber wir tatsächlich im Vorwege nicht wirklich nachgedacht hatten) und uns auf unsere Kreditkarten bzw Bankkarten verlassen hatten.

Das große Auto – in das alle Koffer und Taschen passten – hatten wir nur für einen Tag gemietet, da Autovermietungen am Flughafen immer besonders kräftige Aufschläge verlangen. Dazu mussten wir also erst einmal wieder zurück zum Flughafen Cancun und das eine Auto abgeben und das andere (3km weiter) abholen. Leichter gesagt als getan… wenn die American Express Karte nicht akzeptiert wird, die VISA auch irgendwelche Fehlermeldungen anzeigt, der Vermieter einen auch noch zum Bankautomaten fährt und man auch dort kein Bargeld bekommt… könnte man leicht in Panik verfallen, so wie ich zum Beispiel. Wir mussten also ohne Leihwagen mit dem Taxi die 30km nach Puerto Morelos zurückfahren, der Fahrer hat unsere letzten Euro-Scheine glücklicherweise akzeptiert. Und wir uns äußerst intensiv darum kümmern, warum die Karten nicht so funktionierten wie erwartet bzw dass wir irgendwie an Bargeld kommen… nicht zu vergessen, wir brauchten ein Auto!

Das mit dem Auto war dank örtlichem, grünem Autovermieter und Online-Buchung zwar ein teures aber vergleichsweise einfaches Thema… Bargeld => ich hatte jahrelang von meinem alten Arbeitgeber eine American Express Karte, damit konnte ich fast überall bezahlen und im Fall der Fälle auch Bargeld am Automaten holen, wer kommt denn auf die Idee, dass aus “Sicherheitsgründen” die Bargeld-Abhebung am Automaten erst manuell freigeschaltet werden muss ??? (Ok, natürlich hatten wir das in Deutschland auch nicht ausprobiert) Oder die VISA-Karte der DKB… bei einem nicht unerheblichen monatlichen Zahlungseinganges meines Gehaltes war das Kreditkarten-Limit auf 500 Euro gesetzt… dass ich damit keinen Leihwagen für 1000 Euro bekomme ist wohl klar, oder !?! Es ließ sich alles innerhalb von 48 Stunden klären, wir hatten endlich ein Auto (Kia Rio in weiß) und konnten am Automaten Bargeld holen (wenn man weiß, welcher Automat die Amex-Karte akzeptiert 😉

Entspannung im Alltag

Nach diesen aufregenden und überhaupt nicht entspannten ersten Tagen kam dann so etwas wie “Urlaubs-Feeling” auf, es war warm bis sehr warm, die Nächte recht angenehm, die Betten bequem. Die Unterkunft war für den Anfang super, die Lage zwar etwas außerhalb, aber trotzdem war das meiste noch zu Fuß erreichbar. Im Grunde fehlte es zum dem Zeitpunkt nur der Hund… der war aber immer noch in Amsterdam, da das Gesundheitszeugnis in Deutschland ausgestellt worden war, er aber aus den Niederlanden abfliegen sollte, daher wollten die Mexikaner es nicht akzeptieren. Der niederländische Amtstierarzt war aufgrund der Weihnachts-Feiertage auch nur bedingt verfügbar, das Veterinäramt in Cancun hatte über die Feiertage auch zu, also blieb unser Hund noch bis zum 27. Dezember in Amsterdam (die arme Wurst). Im Grunde passte uns das ganz gut in den Kram, da wir uns so noch in Ruhe vorbereiten konnten, da wir ja auch nichts wirklich mit einführen durften. Kein Hundebett, kein Fressen, kein Spielzeug, im Grunde nichts was wir so bisher für den Hundealltag brauchten. Also haben wir uns auch noch auf die Suche nach dem richtigen Fressen für den Hund gemacht, den Rest lieferte zum Glück Amazon.

Weihnachten erstmalig in einem nicht europäischen Land zu verbringen war auch ein Abenteuer, bisher waren wir (wenn überhaupt) in Österreich zum Snowboarden => also eher kalt, weiß und dick eingepackt… hier liefen wir Heiligabend in kurzer Hose am Strand rum, sehr ungewöhnlich bzw gewöhnungsbedürftig. Natürlich wollten wir auch Heiligabend etwas feiern, also einen Tisch in einem beliebten Restaurant reserviert (die Amerikaner und Kanadier feiern zum Glück erst einen Tag später), fein rausgeputzt und das Festmahl auf der Dachterrasse bei 25 Grad und leichter Brise verbracht… wir haben es sehr genossen, diesen feierlichen Beginn unseres neuen Lebens.

Dann kam der Montag nach Weihnachten und wir konnten endlich unseren Raffi wieder in Empfang nehmen!!! Nach 9 Tagen ohne uns, ohne seine gewohnte Umgebung mit fremden Menschen und dann auch noch 16 Stunden in seiner Transportbox, davon 12 Stunden im Flugzeug, wurde er uns Montagabend um etwa 21:00 Uhr übergeben, was haben wir uns alle gefreut!!! Herzen, Lieben, Kuscheln, Springen, Jaulen, Schwanz wedeln… endlich hatte er uns wieder… da kommen mir fast wieder die Tränen für Glück.
Man sah ihm leider die Strapazen ganz schön an, er hatte stark abgenommen und war nicht wirklich fit, wir mussten ihn erst einmal wieder aufpäppeln. Auch hier wieder leichter gesagt als getan… wenn man (noch) nicht alles so vorrätig hat, wie man es bräuchte, aber “kommt Zeit, kommt Rat”, mittlerweile ist er wieder ganz der Alte.

Was für aufregende und spannende erste Tage wir doch hatten, unser erster richtiger mexikanischer Restaurantbesuch mit mexikanischen Tacos, unser Container mit unserem Haushalt, sowie erste Freunde… das kommt in Teil 4 dieser Serie

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