Warum gehen eigentlich weniger Leute zu einem Data Saturday?
Björn Peters
12. Juli 2026

Nach ungefähr drei Jahren war ich heute wieder beim Data Saturday Rheinland in Sankt Augustin.
Ich hatte mich darauf gefreut. Alte Bekannte treffen, ein paar Vorträge hören, Gespräche auf dem Flur führen und einfach mal wieder einen Tag mitten in der Data Community verbringen. Genau dafür waren die damaligen PASS- und späteren Data-Saturday-Veranstaltungen für mich immer da.
Als ich am Morgen durch die Hochschule lief, hatte ich allerdings ziemlich schnell das Gefühl, dass sich etwas verändert hat.
Es war deutlich ruhiger, als ich es von früher in Erinnerung hatte.
Natürlich ist Erinnerung keine belastbare Statistik. Vielleicht verkläre ich manche der früheren Veranstaltungen auch ein wenig. Aber damals waren die Flure voll, vor den Räumen standen Gruppen zusammen, an den Ständen der Sponsoren wurde diskutiert und manche Sessions waren so gut besucht, dass die Sitzplätze knapp wurden.
Dieses Mal wirkte die Veranstaltung auf mich wesentlich leerer.
Das ist ausdrücklich kein Vorwurf an die Organisatoren. Ein kostenloses Community-Event auf die Beine zu stellen, kostet viel Zeit, Arbeit und vermutlich auch einige Nerven. Ohne Menschen, die diese Arbeit freiwillig übernehmen, gäbe es solche Veranstaltungen überhaupt nicht.
Trotzdem bin ich mit einer Frage durch diesen Tag gegangen:
Warum kommen offenbar weniger Menschen zu einem Data Saturday als früher?
Hat sich der Data Saturday seit Corona verändert?
Eine mögliche Erklärung ist ziemlich naheliegend: Unser Arbeits- und Lernverhalten hat sich verändert.
Wer sich heute zu einem technischen Thema informieren möchte, findet Videos, Blogs, Onlinekurse, Dokumentationen und virtuelle Veranstaltungen praktisch jederzeit. Für einen einzelnen Vortrag muss niemand mehr morgens ins Auto steigen, ein Hotel buchen oder einen ganzen Samstag freihalten.
Außerdem ist die Arbeit selbst verteilter geworden. Viele Teams sitzen nicht mehr gemeinsam an einem Standort. Kontakte entstehen über Teams, Slack, Discord oder LinkedIn und nicht mehr automatisch bei lokalen User Groups und Community-Veranstaltungen.
Vielleicht ist der Rückgang also gar kein spezielles Problem der Data Saturdays. Vielleicht fällt es uns generell schwerer, Menschen für eine Präsenzveranstaltung zu gewinnen, wenn ein großer Teil der fachlichen Informationen auch vom heimischen Schreibtisch aus erreichbar ist.
Allerdings erklärt das für mich noch nicht alles.
Schließlich ging es bei einer Community-Veranstaltung nie ausschließlich um die Folien auf der Leinwand.
Es ging um die Unterhaltung nach dem Vortrag. Um den Kollegen, der beim Mittagessen von einem ähnlichen Problem erzählt. Um die Frage an einen Speaker, für die in einem Teams-Meeting vermutlich nie der richtige Moment gekommen wäre. Und manchmal auch einfach darum, Menschen wiederzusehen, deren Namen man seit Jahren aus Blogposts, Foren oder Konferenzprogrammen kennt.
Diese Dinge lassen sich online nur begrenzt ersetzen.
Der Speaker ist jetzt hier
Während ich diesen Text gedanklich sortiere, sitze ich gerade in einer Session von Grant Fritchey über SQL Server 2025 Performance Tuning.
Dabei hat er etwas gesagt, das für mich ziemlich genau beschreibt, warum solche Veranstaltungen weiterhin einen Wert haben.
Sinngemäß sagte er: Er sei jetzt physisch hier. Wer eine Frage habe, könne sie jetzt stellen und ihn direkt ansprechen. Genau darum gehe es doch bei solchen Veranstaltungen.
Das klingt zunächst banal. Ist es aber nicht.
Ich kann mir jederzeit ein Video von Grant ansehen. Ich kann einen Blogpost lesen, eine Dokumentation durchsuchen oder eine Frage in einem Forum stellen. Was ich dort nicht ohne Weiteres bekomme, ist die Möglichkeit, direkt nachzufragen:
Wie meinst du das in dieser konkreten Situation?
Gilt das auch für meine Umgebung?
Was würdest du prüfen, wenn die Messwerte nicht zu dieser Erklärung passen?
Aus einer allgemeinen Aussage wird durch eine solche Rückfrage plötzlich ein fachliches Gespräch. Und genau darin liegt ein großer Unterschied zwischen einer aufgezeichneten Session und einem Speaker, der tatsächlich vor einem steht.
Die eigentliche Stärke einer Community-Veranstaltung besteht deshalb nicht darin, Informationen zu liefern, die es nirgendwo anders gibt. Das ist heute kaum noch realistisch.
Ihre Stärke liegt darin, dass Menschen gleichzeitig am selben Ort sind und miteinander sprechen können.
Dafür müssen wir diese Gelegenheit allerdings auch nutzen. Wir müssen hingehen, zuhören, Fragen stellen und nach der Session nicht sofort den Raum verlassen, sondern vielleicht noch fünf Minuten auf dem Flur stehen bleiben.
Sonst wird aus einer Präsenzveranstaltung tatsächlich nur ein Video ohne Pausentaste.
Haben wir uns thematisch von einem Teil der Community entfernt?
Die Datenwelt hat sich in den vergangenen Jahren stark erweitert.
Power BI, Microsoft Fabric, Purview und AI gehören heute selbstverständlich dazu. Für viele Unternehmen und viele Teilnehmer sind genau das die Themen, mit denen sie sich gerade beschäftigen.
Gleichzeitig ist mir beim Blick auf das Programm aufgefallen, wie wenig klassischer SQL Server darin noch vorkam.
Nach meiner Wahrnehmung gab es nur sehr wenige Sessions, die sich unmittelbar mit dem Betrieb, der Administration oder der Fehleranalyse von SQL Server beschäftigten. Der Schwerpunkt lag wesentlich stärker auf Fabric, Analytics und AI sowie auf den angrenzenden Plattformthemen.
Das kann eine bewusste und völlig nachvollziehbare Entscheidung sein. Ein Veranstalter muss sich daran orientieren, welche Vorträge eingereicht werden, welche Themen gefragt sind und welche Zielgruppen erreicht werden sollen.
Ich frage mich dennoch, ob dabei ein Teil der ursprünglichen Community langsam verloren geht.
Die Microsoft Data Platform hat ihren Ursprung nicht in Fabric
Die frühere PASS Community kam aus der SQL-Server-Welt.
Natürlich kann und soll sie dort nicht stehen bleiben. Technologie verändert sich, Rollen verändern sich und auch eine Community muss Platz für neue Themen schaffen. Niemandem wäre geholfen, wenn ein Programm im Jahr 2026 genauso aussähe wie zehn Jahre zuvor.
Dennoch haben die neuen Plattformen die alten Systeme nicht einfach ersetzt.
In den Unternehmen, in denen ich arbeite, laufen weiterhin große und geschäftskritische SQL-Server-Umgebungen. Manche davon werden modernisiert, andere migriert und wieder andere noch viele Jahre im eigenen Rechenzentrum oder in hybriden Architekturen betrieben.
Diese Systeme brauchen weiterhin Menschen, die verstehen, wie SQL Server mit CPU, Speicher und Storage arbeitet. Menschen, die eine Always On Availability Group nicht nur einrichten, sondern auch beurteilen können, warum sie gerade nicht sauber synchronisiert. Menschen, die bei einer langsamen Anwendung nicht sofort einen Index hinzufügen, sondern zunächst prüfen, worauf SQL Server tatsächlich wartet.
Diese Aufgaben sind nicht verschwunden, nur weil sich ein großer Teil der öffentlichen Diskussion gerade um AI und Fabric dreht.
Im Gegenteil: Je breiter die Datenplattform wird, desto leichter geraten die Grundlagen aus dem Blick.
Auch hinter modernen Analytics- und AI-Lösungen liegen Daten, Abfragen, Berechtigungen, Netzwerke, Speicher und Betriebsprozesse. Nicht immer steckt darunter ein klassischer SQL Server. Das technische Grundverständnis, das viele von uns im Datenbankbetrieb gelernt haben, bleibt aber relevant.
Das Interesse an klassischen Betriebsthemen ist noch vorhanden
Beim PASS Summit Europe in Frankfurt habe ich vor einigen Wochen eine Session über die Analyse von Infrastrukturengpässen bei langsamen SQL-Server-Systemen gehalten.
Im Raum saßen mehr als 40 Personen.
Das ist keine repräsentative Untersuchung und lässt sich auch nicht direkt mit einem kostenlosen Data Saturday vergleichen. Für mich war die gut besuchte Session trotzdem ein Hinweis darauf, dass Interesse an SQL-Server-Betrieb und Troubleshooting weiterhin existiert.
Die Gespräche danach drehten sich nicht um historische Systeme, die irgendwann abgeschaltet werden. Es ging um aktuelle Produktionsumgebungen, reale Performanceprobleme und die Frage, wie man unter Zeitdruck strukturiert zwischen SQL Server, Virtualisierung und Storage unterscheidet.
Diese Leute sind also noch da.
Die interessantere Frage ist, ob sie sich im Programm eines heutigen Data Saturdays noch ausreichend wiederfinden.
Vielleicht ist „aktuell“ nicht dasselbe wie „relevant“
Konferenzprogramme stehen unter einem verständlichen Druck.
Sie sollen neue Entwicklungen zeigen. Sie sollen neugierig machen. Sponsoren möchten ihre aktuellen Produkte präsentieren, Speaker möchten über Themen sprechen, mit denen sie sich gerade beschäftigen, und Teilnehmer reagieren vermutlich eher auf einen Vortrag über AI als auf die hundertste Session über Backup und Restore.
Allerdings beginnt das Problem dort, wo Aktualität zum wichtigsten Auswahlkriterium wird.
Ein Thema kann neu sein, ohne für den Arbeitsalltag eines großen Teils der Besucher besonders relevant zu sein. Umgekehrt kann ein seit Jahren bekanntes Thema weiterhin große praktische Bedeutung haben.
Eine Session über Backup-Strategien klingt auf dem Papier möglicherweise weniger spannend als eine Session über generative AI. Wenn am Montagmorgen jedoch eine produktive Datenbank wiederhergestellt werden muss, wird aus dem vermeintlichen Basisthema ziemlich schnell ein sehr aktuelles Problem.
Vielleicht braucht eine Community-Veranstaltung deshalb beides.
Neue Themen, die zeigen, wohin sich Plattformen entwickeln. Aber ebenso Sessions über Betrieb, Migration, Hochverfügbarkeit, Security, Performance und Troubleshooting. Nicht aus Nostalgie, sondern weil diese Aufgaben in den Unternehmen weiterhin existieren.
Kostenfrei heißt nicht kostenlos
Außerdem gehört zur Frage nach rückläufigen Teilnehmerzahlen noch eine andere Seite.
Nach Aussage der Organisatoren sind mehr als 40 angemeldete Personen an diesem Tag nicht erschienen.
Natürlich kann immer etwas dazwischenkommen. Krankheit, Familie, Arbeit, eine lange Anreise oder ein Problem, das sich nicht verschieben lässt. Es wäre unfair, jede Absage oder jedes Nichterscheinen pauschal als Gleichgültigkeit zu bewerten.
Mehr als 40 nicht erschienene Teilnehmer sind für eine kostenfreie Veranstaltung trotzdem keine Kleinigkeit.
Die Organisatoren planen Räume, Verpflegung, Namensschilder und Unterlagen auf Basis der Anmeldungen. Sponsoren unterstützen eine Veranstaltung auch deshalb, weil eine bestimmte Zahl von Teilnehmern erwartet wird. Ehrenamtliche investieren Zeit in Vorbereitung und Organisation.
Wer sich anmeldet und ohne Abmeldung nicht erscheint, zahlt vielleicht kein Ticket. Kosten entstehen trotzdem.
Genau darin liegt eine Schwierigkeit kostenloser Community-Veranstaltungen: Weil die Anmeldung nichts kostet, wirkt sie unverbindlicher, als sie tatsächlich ist.
Vielleicht melden sich manche vorsorglich an und entscheiden erst am Morgen, ob sie wirklich fahren möchten. Vielleicht wird der Termin im Kalender zu einer Option unter mehreren und nicht zu einer tatsächlichen Zusage.
Für die Organisatoren bleibt er jedoch eine eingeplante Person.
Ich halte es deshalb für fair, eine Anmeldung zu einer kostenlosen Veranstaltung genauso ernst zu nehmen wie eine Anmeldung zu einer kostenpflichtigen Konferenz. Wer merkt, dass er nicht teilnehmen kann, sollte sich wieder abmelden. Selbst kurzfristig hilft das mehr, als einfach nicht aufzutauchen.
Community funktioniert nicht nur durch diejenigen, die Veranstaltungen organisieren oder Vorträge halten. Sie funktioniert ebenso durch die Verbindlichkeit der Menschen, für die diese Arbeit gemacht wird.
Auch Cloud-Souveränität macht Grundlagenwissen nicht überflüssig
In Europa wird derzeit viel über digitale und technologische Souveränität gesprochen. Dabei geht es um Kontrolle über Daten, Betriebsprozesse, Zugriffe und Abhängigkeiten.
Allerdings folgt daraus nicht automatisch, dass Unternehmen sämtliche Systeme aus der Public Cloud zurück in das eigene Rechenzentrum holen. Souveräne Cloud-Angebote können weiterhin Cloud-Angebote sein. Andere Unternehmen werden stärker auf hybride Modelle, europäische Provider oder lokal betriebene Plattformen setzen.
Wahrscheinlich wird es keine einheitliche Bewegung in nur eine Richtung geben.
Was jedoch bleibt, ist der Bedarf an Menschen, die Infrastruktur und Datenplattformen tatsächlich betreiben können. Je unterschiedlicher die Architekturen werden, desto wichtiger wird das Verständnis dafür, was unterhalb eines Dienstes passiert und wo im Fehlerfall überhaupt gesucht werden muss.
Auch deshalb halte ich es für riskant, klassische Datenbankthemen vorschnell als Vergangenheit zu behandeln.
Welche Zielgruppe soll ein Data Saturday heute erreichen?
Am Anfang habe ich mich gefragt, warum weniger Menschen zu einem Data Saturday kommen.
Während ich diesen Text schreibe, merke ich allerdings, dass die Teilnehmerzahl nur das sichtbare Ergebnis ist. Dahinter liegen mehrere andere Fragen:
Welche Zielgruppe soll ein Data Saturday heute eigentlich ansprechen?
Sind es weiterhin DBAs, Entwickler und Administratoren aus der früheren PASS Community? Sind es Data Engineers, BI-Spezialisten und Fabric Consultants? Möchte man AI-Interessierte erreichen? Oder soll die Veranstaltung all diese Gruppen zusammenbringen?
Letzteres klingt zunächst gut, ist aber nicht einfach. Je breiter ein Programm wird, desto weniger Sessions bleiben für die einzelnen Fachrichtungen übrig. Bei mehreren parallelen Tracks kann eine Veranstaltung trotzdem den Eindruck vermitteln, für jeden etwas anzubieten, ohne einer Gruppe genügend Gründe für die Anreise zu geben.
Gleichzeitig müssen sich auch die Teilnehmer fragen, welchen Wert sie solchen Veranstaltungen selbst geben.
Melde ich mich nur an, weil es kostenlos ist und ich mich später entscheiden kann? Oder behandle ich die Anmeldung als Zusage?
Gehe ich zu einer Session, um mir Informationen anzuhören, die ich genauso gut online finden könnte? Oder nutze ich die Möglichkeit, einem erfahrenen Speaker direkt eine Frage zu stellen?
Und fahre ich wegen einzelner Sessiontitel zu einer Veranstaltung oder auch deshalb, weil Community erst entsteht, wenn Menschen tatsächlich erscheinen?
Vielleicht brauchen wir deshalb nicht einfach mehr Teilnehmer, sondern zunächst ein klareres Bild davon, für wen wir solche Veranstaltungen organisieren und was jeder Einzelne zu ihrem Gelingen beiträgt.
Ich möchte wieder wegen der Community hingehen
Trotz meiner kritischen Gedanken bin ich froh, dass ich beim Data Saturday Rheinland war.
Ich habe Menschen getroffen, gute Gespräche geführt und neue Gedanken mitgenommen. Gerade deshalb sollten wir darüber sprechen können, wie sich diese Veranstaltungen verändern.
Nicht mit dem Vorwurf, dass Fabric, Power BI oder AI dort nichts verloren hätten. Das wäre fachlich falsch und würde die Data Community künstlich in alte und neue Lager aufteilen.
Ich wünsche mir vielmehr eine breitere Balance.
Eine Community, die neue Technologien aufnimmt, ohne ihre bisherigen Mitglieder und deren tägliche Arbeit aus dem Blick zu verlieren. Ein Programm, in dem ein Vortrag über Fabric neben einer Session über SQL Server Troubleshooting stehen kann. Speaker, die nicht nur Inhalte präsentieren, sondern für Fragen und Gespräche erreichbar sind. Teilnehmer, die eine kostenlose Anmeldung nicht mit einer unverbindlichen Reservierung verwechseln.
Und eine Veranstaltung, zu der auch der klassische DBA wieder fährt, weil er dort nicht nur alte Bekannte, sondern ebenso fachlich relevante Inhalte erwartet.
Denn vielleicht gehen nicht weniger Menschen zu Community-Veranstaltungen, weil sie kein Interesse mehr haben.
Vielleicht erkennen manche nicht mehr, dass die Veranstaltung noch für sie gedacht ist.
Und manche haben möglicherweise vergessen, dass eine Community-Veranstaltung nur dann funktioniert, wenn die Community auch tatsächlich erscheint.
AUTOR
Björn Peters
Björn arbeitet als Senior Consultant mit Schwerpunkt Microsoft Data Platform, SQL Server, PowerShell und Azure SQL. Er unterstützt Kunden bei Betrieb, Migration, Hochverfügbarkeit, Performance-Analyse und Troubleshooting.
Auf SQL aus Hamburg teilt er Erfahrungen aus realen Projekten – praxisnah, technisch und mit Blick auf stabile, nachvollziehbare Lösungen. Neben SQL Server interessiert er sich für Science-Fiction, Backen und Radfahren.
